Lichtenbergers „Kleingartenentwicklungskonzept“ entpuppt sich als Plagiat

Lichtenbergers „Kleingartenentwicklungskonzept“ entpuppt sich als Plagiat

Bereits beim Deckblatt fallen große Ähnlichkeiten in der Aufmachung der beiden Kleingartenentwicklungskonzepte auf:

Das aus der Großen Kreisstadt Crimmitschau wurde vom dortigen Stadtrat am 04.02.2016 verabschiedet, das der Großen Kreisstadt Wurzen wurde nach dessen eigenen Angaben vom Präsidenten des Regionalverbandes Muldental der Kleingärtner e. V., Frank Lichtenberger, im August 2016 erarbeitet.

Den jeweiligen Inhaltsverzeichnissen kann man entnehmen, dass der grundlegende Aufbau beider Dokumente ebenfalls sehr ähnlich ist, stutzig wird man jedoch spätestens bei der Lektüre der Einleitung: Wort für Wort der gleiche Text, erst im fünften Abschnitt unterscheidet sich das Wurzener vom Crimmitschauer Konzept.

Bis zur Seite 14 (entspricht Seite 7 des Crimmitschauer KEK) ist das von Frank Lichtenberger vorgelegte Konzept augenscheinlich aus dem der Stadt Crimmitschau kopiert, es finden sich lediglich zwischendurch immer wieder einmal auf die Wurzener Situation eingehende Ergänzungen.

Das heißt, große Teile, sogar ganze Kapitel und nicht zuletzt den gesamten Aufbau des von ihm vorgelegten Konzeptes hat Frank Lichtenberger aus dem Crimmitschauer Kleingartenentwicklungskonzept wörtlich übernommen, ohne sie eindeutig sichtbar als Zitate zu kennzeichnen, lediglich am Ende des Dokumentes wird als eine der Quellen „Kleingartenentwicklungskonzept der Stadt Crimmitschau“ aufgeführt. Gemeinhin nennt man so etwas Plagiat, also Diebstahl geistigen Eigentums anderer.

Über die Gründe dafür, dass die zweifelhafte Urheberschaft des Konzeptes bisher offenbar niemandem aufgefallen ist, kann man spekulieren. Vielleicht liegt es daran, dass das Dokument bei seiner offiziellen Präsentation in Wurzen durch Frank Lichtenberger im August 2016 lediglich einem kleinen Personenkreis aus ausgewählten Stadträten vorgestellt wurde. Die Vorstände der betroffenen Kleingartenvereine waren nach eigenen Aussagen explizit ausgeladen und auch vorab nicht in die Erarbeitung einbezogen worden.

Dass Frank Lichtenberger sein „Kleingartenentwicklungskonzept der Großen Kreisstadt Wurzen“ ungeniert auf der Homepage des Regionalverbandes öffentlich stellt, ohne darauf hinzuweisen, dass es vom Wurzener Stadtrat bis dato überhaupt nicht diskutiert, geschweige denn beschlossen wurde, ist eine Sache.

Wenn die Stadtverwaltung in der Tagesordnung des nichtöffentlichen Teils der für den 22. Januar 2020 vorgesehenen Sitzung des Technischen Ausschusses formuliert, „Informationen zur Weiterführung des Kleingartenentwicklungskonzeptes …“ geben zu wollen, sollte jedoch auf jeden Fall geprüft werden, ob man sich, wenn man sich dieses Schriftstückes sozusagen als offizielle Diskussionsgrundlage bedient, nicht einer Urheberrechtsverletzung schuldig macht.

Und selbst in dem Fall, dass die Crimmitzschauer Autoren einer solchen Verwendung ihrer Arbeit zugestimmt hätten, wäre es äußerst unprofessionell und wohl auch ziemlich peinlich, wenn die Wurzener Stadtväter ein Dokument als ihres diskutieren oder gar verabschieden würden, das so offensichtlich zu großen Teilen geistiges Eigentum anderer ist.

Quellen:

Kleingartenentwicklungskonzept der Großen Kreisstadt Crimmitschau

Kleingartenentwicklungskonzept der Großen Kreisstadt Wurzen